EMOTION Vortragsreihe: Dr. Carl Naughton “Einfall statt Reinfall. Kreative Köpfe, was sie killt und wie man sie kitzelt”

Am 25.8.2015 ist es wieder soweit: Mehr Kreativität für alle! In Düsseldorf. Im Steigenberger Parkhotel.

Darum geht´s:

“Gibt es bei der Kreativität Unterschiede zwischen Mann und Frau?
Eigentlich ist es total verrückt. Immer wieder zeigt sich in Versuchen: Männer und Frauen sind gleich kreativ. Was passiert aber im Büro? Die Geschlechterrollen funken dazwischen. Männer werden per se als kreativer und risikofreudiger wahrgenommen. Resultat: ihnen werden die besseren Ideen zugetraut. Nicht, weil sie es sind, sondern weil unsere Erwartungen so sind. Da müssen wir ansetzen.

Wieso soll man überhaupt kreativ sein?
Weil sich unsere Umwelt immer weiter ändert. Beruflich wie privat. Daher brauchen wir immer wieder neue, kreative Lösungen. Beispiel: Sie drucken die EMOTION ja auch nicht mehr auf der Gutenberg-Presse, sondern digital. Wir kochen unser Mittagessen nicht mehr auf dem Lagerfeuer, ganz selten auf einem holzgefeuerten Herd, und meistens mit Elektrizität oder Gas. Alles andere wäre nicht zeitgemäß und bringt zu viele Nachteile. Und für diese neuen Lösungen brauchen wir Kreativität. Überall.

 

Also fördert die Kreativität auch unsere Weiterentwicklung?
Ja. Die meisten Lösungen entstehen erst dann, wenn ein Problem da ist. Evolutionär hat das Gehirn keine Lust immer neue Lösungen zu erdenken. Es will nicht aus dem Energiesparmodus.

 

Wo helfen Sie also? Bei akuten Problemlösungen oder bei grundsätzlichem Kreativitätsmangel?Sowohl als auch. Denn in beiden Bereichen benutzen ja die Menschen ihr Gehirn. Und das hält ein paar Denkfallen parat, die uns das kreative Denken verleiden. Z.B. die funktionale Fixierung. Das bedeutet, wir sind in unserer Wahrnehmung gefangen. Ein Stein ist ein Stein. Ein Haustier ein Haustier. Dabei hat ein kreativer Geist kleine Schuhe für Hunde entwickelt, mit denen die Tiere automatisch den Boden wischen: Petsweep. Oder: eine Hose ist eine Hose und kein Tisch. Doch dann haben kreative Geister zwischen die Hosenbeine ein leichtes gummiertes Tuch befestigt. Wenn man im Schneidersitz sitzt, entsteht so ein kleiner Tisch: die PicNic Pants waren erfunden. Wir müssen lernen die Welt mit neuen Augen zu sehen. Diese neue Wahrnehmung kann man gezielt provozieren.
Sie nennen vier Punkten zur Kreativitätsförderung…
Unsere „Rezepte gegen das Brett vor dem Kopf“ bestehen aus folgenden: Der erste ist, die funktionale Fixierung aufzubrechen. Der zweite ist, dass Menschen ihr riesiges Archiv im Kopf nutzen lernen – Kreativität ist, wenn wir Dinge im Kopf zusammen bringen, die sonst nicht zusammen gehören. Drittens: Unsere Stimmung beeinflusst unsere Denkergebnisse. Neutrale oder missmutige Menschen finden mehr Fehler. Gut gelaunte übersehen die Fehler, haben aber mehr neue Ideen. Wir brauchen beides und müssen lernen, es zu managen. Wir sind kreativer, wenn wir gut drauf sind. Und es ist jedem Menschen möglich, seine Stimmung zu managen. Und schließlich: Es kommt darauf an, die richtige Art der Pausen zu machen. Das macht Menschen bis zu 15% kreativer.
Worauf dürfen sich Zuschauer bei Ihnen gefasst machen?
Auf 90 Minuten Lernen, Lachen und nachdenklich machen. Meine Vorträge sind sehr interaktiv. Ich mache einige Versuche, die deutlich machen, wo die Schranken im Kopf sind und wie wir sie öffnen. Insgesamt lernen Menschen sieben Tools kennen, die Lust auf  kreatives Denken in Beruf und Alltag machen.

Dr. Carl Naughtons Tipp
„Die Umwelt prägt unser Denken. Halten Sie Meetings nicht in weißen Seminar-Räumen ab. Gehen Sie z.B. zum ersten Indoor-Campingplatz in Berlin. Dort steht ein ganzer Campingplatz in einer Fabrikhalle. Machen Sie Creativity Walks. Laufen Sie durch die Stadt oder den Wald und fragen Sie sich „Wie könnte dieses oder jenes Objekt mir helfen, eine neue Idee für ein Produkt, ein Lied, ein Rezept zu bekommen. Unser Hirn ist eine Assoziationsmaschine. Füttern Sie sie und der kreative Output kommt fast von selbst.”