The Crisis Kit – Tool 1: „Mit unkontrollierbaren Umständen umgehen“

Mit unkontrollierbaren Umständen umgehen

Die eigene Handlungsfähigkeit zu bewahren, ihre Grenzen zu kennen und innerhalb dieser Grenzen das Meiste daraus zu machen, ist der Kern vieler Hilfen für unser mentales Wohlbefinden. Natürlich sind diese Grenzen unserer Wirksamkeit immer da. Z.B. können wir die Reaktionen anderer oder deren Gedanken über uns nicht völlig kontrollieren. Wir haben nicht immer im Griff, welcher Gedanke genau in dem Moment in unserem Kopf auftaucht, wenn wir schläfrig wegdämmern. Nicht nur in solchen Momenten ist die zentrale Chance, um die Kontrolle über die Dinge in unserem Kopf zu behalten, ebendiese Kontrolle loszulassen. Wir nennen es das Paradox der Preisgabe.

„Preisgabe“ hat nichts mit „Aufgabe“ zu tun. Preisgabe bedeutet das Loslassen von unproduktiven Versuchen, das Unkontrollierbare zu kontrollieren. Hier ist die Technik dazu.

1. Fokus

Überlegen Sie, welche Situation Ihnen das Gefühl gibt, keine Kontrolle zu haben. Notieren Sie diese, geben Sie ihr eine Überschrift und notieren Sie ein paar Stichpunkte.

2. Klarheit

  1. Unterscheiden Sie: sind Sie dieser Situation gegenüber machtlos oder ratlos?
  • Machtlos fühlen wir uns, wenn wir das Gefühl haben, wir können machen, was wir wollen, es würde nichts ändern. Oft geht mit diesem Gefühl einher „Ich habe keine Wahlmöglichkeiten“. Dem können wir einen Satz an die Seite stellen, der ein wenig Kontrolle zurück in unsere Hände gibt: „Ich mag meine Wahlmöglichkeiten nicht.” Die Möglichkeiten sind da, aber sie gefallen Ihnen nicht. Wenn Sie nun darüber nachdenken, dass Sie sehr wohl handeln könnten, Sie aber deswegen nichts tun, weil Ihnen die Optionen nicht gefallen, geht es nicht mehr um Machtlosigkeit. Es geht darum, wie viel Ihnen an der Situation liegt, um eine Option zu wählen, die Sie zwar nicht mögen, die Sie aber gezielt aus Ihrer Machtlosigkeit führt.
  • Ratlos hingegen fühlen wir uns, wenn wir das Gefühl haben, uns fällt keine Lösung ein, um die Situation zu verändern. Oft fehlen uns Lösungen, weil wir zum ersten Mal in einer solchen Situation sind. Der Gedanke ist dann oft „Ich habe keine Ahnung, wie das gehen soll!“. Dem können wir einen Satz an die Seite stellen, der ein wenig Kontrolle zurück in unsere Hände gibt: „Andere Menschen haben diese Situation bewältigt und die frage ich.“ Dann ist es weniger eine Frage der Ratlosigkeit. Es wird eine Frage des Adressbuches. Wer könnte Ihnen bei der Lösungsfindung helfen, wer kennt jemanden, der eine ähnliche Situation gemeistert hat? Diese ersten Überlegungen helfen in der Klärung des Unkontrollierbaren. Die folgenden Schritte helfen im weiteren Umgang damit.

3. Ziel

Legen Sie Ihr Maximal- und Ihr Minimalziel für die im Fokus beschriebene Situation fest. Oft haben wir nun ein Ziel vor Augen. Das engt unsere Handlungsmöglichkeit extrem ein. Sehen Sie das Ziel nicht als Punkt, sondern als Skala: was ist das Minimum, was Sie erreichen wollen, was ist das Maximum, das Sie erreichen könnten.

4. Kreis der Kontrolle 

Zeichnen Sie einen Kreis. Schreiben Sie in den Kreis, welche Aspekte Sie in dieser Situation kontrollieren können und die Ihnen helfen könnten, Ihr Mini- oder Maximalziel zu erreichen. Konzentrieren Sie sich nun auf den Raum außerhalb des Kreises. Dort notieren Sie alle die Dinge, über die Sie keine komplette Kontrolle haben, die jenseits Ihrer Einflussmöglichkeiten liegen.

5. Wirksamkeit

Im Kreis steht, welche Dinge in der von Ihnen gewählten Situation unter Ihrer Kontrolle sind. Fragen Sie sich nun: “In welchem Zusammenhang hat mir das schon einmal geholfen?”, “Was ist da passiert und wie sah das Resultat aus?” und “Was hat nicht so gut funktioniert?”. 

6. Preisgeben

Schauen Sie auf den Raum außerhalb des Kreises. Fragen Sie sich „Was ist das letzte Mal passiert, als ich versucht habe diese Dinge zu kontrollieren?“ und „Wann habe ich in diesen Momenten zu mir gesagt „Das kannst Du sowieso nicht ändern,

7. Blick nach Vorne

Schauen Sie auf die Dinge, die außerhalb Ihrer Kontrolle liegen und sagen Sie sich „Das kannst Du sowieso nicht ändern, konzentriere Dich auf das, was in Deinen Händen liegt“. Dann nehmen Sie sich die Dinge vor, die in Ihrer Kontrolle sind und planen, was Sie tun können.

Was passierte mit dem Theaterproblem, das außerhalb der Kontrolle lag?

Nun sitzt das Team gerade im Strategiemeeting und plant, was zu tun ist…

Eine Sache, die im Kreis der Kontrolle der Theaterschaffenden lag, war „Stücke aufführen und den Menschen Unterhaltung bieten“. Was außerhalb dieses Kreises der Kontrolle war, lag auf der Hand: die Schließung des Theaters, also des Ortes, wo Stücke aufgeführt werden. Im Schritt 7 kam dann der Gedanke „Wenn die Menschen nicht ins Theater kommen, warum kommt das Theater nicht zu ihnen?“ „Wir haben die Stücke, die Schauspieler, die Puppen. Wir haben Filmkameras. Wir haben Kinder und Erwachsene, die zuhause sitzen, nicht wissen, was sie tun sollen und die die Videogames, What´s App und Halma leid sind.“ „Warum bringen wir nicht unsere Stücke als Videomehrteiler zu diesen Menschen“. Sie können dann spenden, um den Erhalte des Theaters nach dieser Zeit der Anspannung mitzutragen oder wie nutzen ein einfaches, niedrigschwelliges Bezahlsystem, so eine Art Netflix Light für Theater, Stageflix?! 

Ein Hinweis: Natürlich ersetzten diese Techniken keine professionelle Konsultation mit einem psychologischen Profi, wenn Menschen über das alltägliche Maß belastet sind und weitere psychische Unterstützung benötigen. Bitte entscheiden Sie selbst achtsam und mit Bedacht, ab wann das der Fall ist und kontaktieren Sie professionelle Hilfe.

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